Aktuell

 

Pressemitteilung der Vorsitzenden zur aktuellen Veranstaltung:

In der Reihe „Themen der Zeit“: Verschwörungsmythen in Corona-Zeiten
Vortrag von Dr. Michael Blume, Antisemitismusbeauftragter des Landes im Livestream

Gerüchte, üble Nachreden, falsche Bezichtigungen haben in Krisenzeiten Konjunktur ebenso wie die Tendenz, Personen oder Bevölkerungsgruppen zu Sündenböcken für negative Entwicklungen zu erklären. Dies zeigt die Geschichte – etwa der Hexenverfolgung im Mittelalter. Bevorzugt sind es Minderheiten oder vermeintlich fremde Menschen gewesen, denen die Schuld an Katastrophen, Kriegen oder ansteckenden Krankheiten zugeschrieben wurde. Obwohl wir heute in demokratischen, rechtsstaatlichen Verhältnissen leben, wird die Gerüchteküche durch die Verbreitung von Fake-News im Internet zusätzlich angeheizt. Hier finden noch so abstruse, meist anonyme Behauptungen, Unterstellungen und Schuldzuschreibungen eifrige, teils fanatische Follower. Die kritische Lage, in die unsere Gesellschaft durch das neuartige Corona-Virus geraten ist, leistet einer solchen Mythenbildung Vorschub. Gesucht wird nach Schuldigen, unterstellt wird, das Virus sei von verdächtigen Mächtigen bewusst erzeugt worden, um die Welt zu unterjochen; massiv bezweifelt werden die politischen Maßnahmen als Mittel der Manipulation und Freiheitsberaubung. Und bemerkenswert ist, wie überlieferte antisemitische Stereotopyen sich regelmäßig in die wild wuchernden Debatten mischen. Die Kulturgemeinschaft Fellbach hat deshalb in ihrer Reihe „Themen der Zeit“ in Zusammenarbeit mit der Stadt Fellbach und der Landeszentrale für politische Bildung den Beauftragten der Landesregierung gegen Antisemitismus, Dr. Michael Blume, eingeladen, über ein Thema zu sprechen, das brandaktuell ist und ihn schon eine Weile beschäftigt. Am Donnerstag, 28. Januar 2021 um 19 Uhr, referiert der glänzende Redner im Großen Saal des Rathauses über „Verschwörungsmythen in Corona-Zeiten“.
Der promovierte Religions– und Politikwissenschaftler Michael Blume ist ein engagierter Vertreter des interkulturellen Dialogs. 2000 organisierte er das erste jüdisch-christlich-islamische „Abrahamsfest“ in Deutschland. Im Staatsministerium übernahm er 2015 die Leitung des „Sonderkontingents Nordirak“, das sich vor allem der Rettung jesidischer Kinder und Frauen aus dem Kriegsgebiet widmete. 2018 wurde er von der Landesregierung zum Antisemitismusbeauftragten ernannt und hat seitdem viel bewegt. 2019 publizierte er über die Frage „Warum der Antisemitismus uns alle bedroht“, worin er aufzeigt, wie neue Medien alte Verschwörungsmythen aufgreifen und so verstärken können, dass daraus Gefahren für die Demokratie erwachsen. Als aktuellen Beitrag zur Krise veröffentlichte er 2020 ein Buch zum Thema „Verschwörungsmythen – woher sie kommen, was sie anrichten und wie wir ihnen begegnen können“.
„Das Leugnen von Fakten verbunden mit einem unbestimmten Gefühl ‚übergangen zu werden‘, findet nicht erst seit Corona Anhänger. Das Virus hat diese Tendenz aber sichtbarer gemacht. Ehrenamtliche und Politiker, die sich für die Eindämmung der Pandemie engagieren, werden verhöhnt, verbal und auch tätlich angegangen“, erklärt Gabriele Zull. Umso wichtiger sei es, darüber aufzuklären, auf welchem Boden sich diese Verschwörungsideen entwickeln, so Fellbachs Oberbürgermeisterin, die zusammen mit der Vorsitzenden des Vereins Christa Linsenmaier-Wolf in den Vortrag einführen wird.
Dieser war ursprünglich als Präsenzveranstaltung gedacht. Aufgrund der aktuellen Situation wird er nun live gestreamt auf der Homepage der Stadt Fellbach www.fellbach.de, bzw. unter Eingabe von https://youtu.be/ArUk1NNeByk.
Eine Anmeldung ist nicht erforderlich. Der Zugang steht am 28. Januar ab 19 Uhr allen Interessierten frei zur Verfügung. Im Chat ist es den Zuhörern möglich, Fragen zu stellen. Anschließend ist der Beitrag auf den Webseiten der Stadt, der Kulturgemeinschaft Fellbach (www.kulturgemeinschaft-fellbach.de) und der Landeszentrale (www.lpb-bw.de)  verfügbar.